Sonntag, 11. Juni 2017

[Rezension] Charles Webb - Die Reifeprüfung


"Die Reifeprüfung" zählt zu meinen Lieblingsfilmen. Umso mehr freute ich mich zu lesen, dass dieser auf einer Romanvorlage basiert. Die Zentralbibliothek in Hamburg hat dieses Buch in seinem Sortiment, wovon ich schnell Gebrauch machen musste.

Inhalt
Der fast 21-jährige Benjamin Braddock hat das College beendet und kehrt zurück nach Hause. Seine wohlhabenden Eltern sind stolz auf ihn und veranstalten ihm zu Ehren eine Party und laden Familienfreunde, größtenteils wohlhabende Ehepaare, ein. Doch Benjamin wünscht sich nichts sehnlicher, als allein gelassen zu werden, um über sich und seine Zukunft nachzudenken. Widerwillig nimmt er an der Party teil und fährt am späten Abend die Familienfreundin Mrs. Robinson nach Hause. Sie versucht, ihn zu verführen. Er rettet sich aus dieser Situation und nimmt ihr unmoralisches Angebot jedoch einige Tage später an. Sie beginnen eine rein sexuelle Affäre und diese Affäre ist zurzeit das Einzige, worauf Benjamin sich freuen kann. Den Rest des Tages verbringt er nämlich damit, im Pool oder auf dem Sessel lethargisch die Zeit totzuschlagen. Meistens mit Alkohol. Mrs. Robinsons Ehemann bittet unterdessen Benjamin, mit seiner Tochter Elaine auszugehen, wenn sie aus Berkeley zu Besuch kommt. Auch aus dieser Situation versucht Benjamin zu flüchten, denn Mrs. Robinson verbietet ihm, sich mit ihm zu treffen. Schließlich kommt es doch zu einem Date zwischen Benjamin und Elaine und Benjamin verliebt sich in die Tochter der Robinsons...

Meine Meinung
"Die Reifeprüfung" war mir bereits als Film bekannt und so war ich gespannt, ob der Roman noch andere Aspekte und weitere Details hergibt, als die Verfilmung. Man konnte das Buch aber fast 1:1 mit dem Film vergleichen. Die Erzählweise blieb die Gleiche, die Handlung war genau so aufgebaut und auch, wie die Charaktere wirkten, war in Buch und Film nahezu gleich.
Charles Webb nutzt sehr viele Dialoge, um seine Geschichte zu erzählen, wodurch der Roman fast schon wie ein Drehbuch wirkt. Wie das Drehbuch zum Film eben. Somit ist der Roman sehr leicht und schnell zu lesen.

Erschienen ist der Roman Mitte der 1960er Jahre und schien damals den Zeitgeist junger (wohlhabender?) Leute aufzuschnappen und widerzuspiegeln. Die Jugend, die desillusioniert ist, die sich nichts aus dem Reichtum ihrer Eltern macht, die nach mehr sucht, als nach Geld, Erfolg und Anerkennung. 

Auch konnte man heraus lesen, dass Benjamin, und auch Elaine, sehr unter dem Erwartungsdruck ihrer Eltern handeln und leiden; dass vieles in ihrem Leben durch ihre Eltern fremdbestimmt ist, wovon sie sich letztendlich zu lösen versuchen. Auch rebelliert Benjamin gegen das Ordentliche, Spießige und von außen Auferlegte, als er mit Mrs. Robinson eine Affäre beginnt. Vielleicht nicht bewusst, aber zumindest unbewusst bricht er aus seinem Gefängnis und seiner Misere aus


Dies mag damals noch ein Problem der Jugend gewesen sein, vor allem von Jugendlichen aus Familien, denen es viel ums Ansehen geht. Vielleicht mag das auch noch heute in einigen Familien, denen Prestige sehr wichtig ist, vorkommen, womit der Roman für einige Menschen bestimmt zeitlos ist.

Das Buch ist insgesamt ganz unterhaltsam. Die Melancholie, die in der Geschichte steckt, wird aber erst im Film richtig deutlich und durch die Musik von Simon&Garfunkel richtig unterstrichen!






3 von 5 Sternen



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