Sonntag, 28. Mai 2017

[Rezension] Truman Capote - Kaltblütig


Truman Capote gehört zu den großen US-amerikanischen Autoren der Postmoderne. Um mein Allgemeinwissen um bekannte Autoren zu vergrößern, griff ich diesmal zu Capote, einem Autor, von dem ich bisher noch nichts gelesen hatte und der vor allem für seinen Roman "Frühstück bei Tiffany" bekannt ist. Da meine Mutter vor kurzem "Kaltblütig" gelesen hatte, sah ich es als meine Chance, Capote durch dieses Werk kennen zu lernen.

Inhalt
Basierend auf einer wahren Begebenheit wird 1959 die Familie Clutter auf ihrer Farm in Kansas, durch zwei junge Männer, Perry Edward Smith und Richard Eugene Hickock, kaltblütig ermordet.
Der Leser erfährt, wie es zu der Tat kam, welche Vorgeschichte die beiden Mörder haben und wie ihre Geschichte ausgeht.

Meine Meinung
Capote hat mit diesem Buch einen sehr gut recherchierten Tatsachenroman erschaffen, der fesselt und aus verschiedenen Perspektiven heraus berührt. Die Geschichte der beiden Mörder Perry und Richard (genannt: Dick) wird dem Leser näher gebracht. Vor allem erfahren wir viel über Perry, der ein komplett verhunztes Leben leben musste, sodass ich manchmal nicht umhin konnte, als mit ihm mitzufühlen. 
Das Buch zeigt auf, was das Leben aus Menschen machen, was eine schwere Kindheit für Auswirkungen haben kann. Gegen Ende des Romans, als Dick und Perry verhaftet werden, wird man mit dem amerikanischen Rechtssystem konfrontiert und zum Nachdenken über die Frage angeregt, ob die Todesstrafe gut oder schlecht ist und inwieweit und wann ein Straftäter überhaupt schuldfähig ist. Während man darüber nachdenkt, gerät man in sämtliche moralische Konflikte und das ist es wohl, was Capote aufzeigen wollte. Im Großen und Ganzen habe ich das Buch jedoch als Plädoyer gegen die Todesstrafe verstanden.

Truman Capote reiste selber mit einer guten Freundin (und Autorin) Harper Lee im Auftrag des New Yorker zum Tatort sowie zu Tätern um zu recherchieren. Capote sagte von sich selbst, dass er die Belletristik wie eine Sackgasse empfand und sich daher mit einem realistischen Fall befassen und ihn literarisch umsetzen wollte. Die intimen Beziehungen, die er zu den Tätern aufbaute, brachte ihn aber in ein moralisches Dilemma, denn er wusste, dass die beiden am Galgen sterben sollten und für seinen literarischen Erfolg auch mussten. An diesem emotionalen Hin und Her hatte Capote noch lange zu knabbern. 

Verfilmt wurde Capotes Reise nach Kansas im Jahre 2005 unter dem Titel "Capote" mit Philip Seymor Hofman in der Hauptrolle.

4 von 5 Sternen 



Donnerstag, 18. Mai 2017

[Rezension] Charlotte Roche - Mädchen für alles



Meine Nummer zwei eines Roche-Romans. Vor ein paar Jahren las ich "Schoßgebete", welches ich gar nicht mal schlecht fand. In der Bibliothek entdeckte ich "Mädchen für alles", von dem ich bisher noch nichts gehört hatte. Aus Neugierde nahm ich es mit und wurde leider ein wenig enttäuscht.

Inhalt

"Christines Leben ist perfekt. Perfekt langweilig, perfekt einsam. Es muss sich was ändern, Hilfe muss her. Die Hilfe heißt Marie und ist Christines »Mädchen für alles«: Wäsche, Kochen, Baby. Ein Traum! Marie kann nicht nur alles, sie sieht sogar noch toll aus. Findet auch Christines Mann. Aber bevor der sie kriegt, nimmt Christine sie lieber selber und ist begeistert, wozu Marie offenbar alles bereit ist. Gemeinsam begeben sie sich auf eine unmoralische Reise mit einem gefährlichen Ziel." (Piper)

Meine Meinung
Charlotte Roche hat mit "Mädchen für alles" einen ganz schön nervigen Roman geschrieben und Schuld daran ist die nervige und unsympathische Ich-Erzählerin, Christine. Christine ist faul, kontrollsüchtig, etwas sadistisch, egoistisch und trägt, wie wahrscheinlich jede Protagonistin von Roche, neurotische Züge. Es war furchtbar anstrengend, all ihren Gedanken folgen zu müssen. Ein Bewusstseinsstrom der Hölle quasi. 

Marie, das "Mädchen für alles", ist ein sehr flacher Charakter. Sie sagt zu allem ja, sieht gut aus und Christine stoß bei ihr nie auf Hindernisse. Das wirkte im Großen und Ganzen sehr unauthentisch und konstruiert. Marie wurde so erschaffen, dass Charlotte Roche all ihre Ideen an ihr ausleben konnte, sodass sie letztendlich nur eine Marionette der Handlung war.

Die Themen, die aufgeworfen werden, wirken sehr zusammen gewürfelt. Es geht einerseits um Langeweile in der Ehe, um eine anscheinende postnatale Depression, um Sex unter Frauen, um Kontrolle, um Drogen und um ein ewiges, pubertäres alles-den-Eltern-in-die-Schuhe-schieben. 

Christine macht im Roman keine Entwicklung durch und die Handlung steuert nicht auf einen Höhepunkt zu. Da braucht man schon etwas Geduld beim Lesen.

Der Schreibstil ist authentisch und passt zu Christines dümmlich-schnoddrigen Charakter. Verwendung des Genitiv? Fehlanzeige.

2 von 5 Sternen


Montag, 15. Mai 2017

[Fragebogen] Wie läuft das mit dem Bücherbloggen von Lesestunden

Im Februar 2016 hat Tobi von Lesestunden bereits diesen Fragebogen veröffentlicht. Ich dachte, dass er ganz interessant ist. Man wird sich über einiges noch mal klarer, wenn man Fragebögen beantwortet. 

Wie entscheidest du, ob du über ein Buch bloggst oder nicht?
Ich blogge eigentlich über jedes Buch, welches ich gelesen oder angelesen habe, außer Sachbücher und Philosophie. Bücher, die ich komplett gelesen habe, werden rezensiert. Bücher, die ich abgebrochen habe (das tue ich meist wegen nichtgefallen), kommen in die Kategorie „Der Friedhof der abgebrochenen Bücher“.

Woher nimmst du deine Inspiration für neue Beiträge?
Oftmals inspirieren mich andere Blogs oder Zeitungsartikel, über ein bestimmtes Thema zu schreiben. Manchmal kommen mir aber auch Gedanken, die ich einfach loswerden muss. Oder ich schreibe einen Post mehr für mich, denn für andere und veröffentliche ihn dann. So zum Beispiel den Beitrag über Bücher, die ich als Kind gelesen habe. Solche Beiträge schreibe ich zunächst gerne für mich, um eine Übersicht zu haben und meine Erinnerungen und Gedanken zu sortieren.

Was willst du mit deinem Blog erreichen?
Mich interessiert vor allem der Austausch, da man als LeserIn doch ziemlich alleine ist. Während des Lesens und auch danach. Den Austausch zu finden, ist nicht leicht, da es eine riesige Bandbreite von Romanen, ja sogar Genres gibt, sodass all die BuchbloggerInnen nicht immer das Gleiche lesen. Außerdem möchte ich mich mehr mit Literatur und dem Medium Buch befassen, was durch die Bloggerwelt automatisch geschieht. Ich interessiere mich sehr für Literatur- und Lesepädagogik aber auch für journalistische Berufe rund ums Buch. So ist es vielleicht gar nicht schlecht, über Literatur zu bloggen.

Wie viel Zeit nimmst du dir für das Verfassen eines neuen Beitrags?
Rezensionen habe ich meist schnell geschrieben, weil ich mir während des Lesens des Buches schon im Kopf zurechtlege, was ich in die jeweilige Rezension schreiben werde. Beiträge, für die ich recherchiere, oder solche, die ein umfassenderes Thema behandeln, dauern länger.

Wie oft erscheint in deinem Blog ein Beitrag?
Ich lege mich da auf keine Zahl fest und blogge daher auch keine „Füller“. Ich blogge dann, wenn ich es für sinnvoll erachte, das heißt, wenn ich eine Rezension in petto habe, wenn mir etwas zu einem Thema einfällt, ich Neuzugänge oder neu entliehene Bücher zu Hause habe. Ich versuche aber darauf zu achten, Beiträge auf die Woche zu verteilen, sodass meine LeserInnen nicht überschwemmt werden. Meistens entstehen 1-3 Beiträge pro Woche.

Bloggst du regelmäßig und hast feste Tage bzw. Abstände in denen Beiträge erscheinen?
Siehe oben

Hast du einen festen Tag, an dem du Blogbeiträge schreibst und dich um deinen Blog kümmerst?

Eigentlich schreibe ich dann, wenn ich Zeit habe. Das ist oft an Sonntagen, aber auch abends unter der Woche. Ansonsten siehe oben.


Hast du mehrere Beiträge fertig verfasst als Entwurf, oder veröffentlichst du jeden Beitrag sofort?

Entwürfe speichere ich nur, wenn ich gerade schon (z.B. am vorigen Tag) einen Post veröffentlicht habe. Dann warte ich 1-2 Tage, bevor ich den nächsten veröffentliche. Ich möchte meine LeserInnen einfach nicht mit Posts überschwemmen. Ist der letzte Beitrag schon einige Tage her, dann veröffentliche ich sofort.


Hast du Hilfsmittel, wie einen Planer, eine App oder irgendein Gadget?

Nein, die Blogspot-App gefällt mir nicht. Mir reicht der Zugang über den Laptop.


Schreibst du deine Beiträge direkt in WordPress bzw. der Blogsoftware, oder zuerst auf Papier oder in anderer Software?
Meistens direkt in Blogspot, manchmal aber auch in Word.

Schreibt du die Beiträge auf einmal, oder in mehreren Schritten?
Im Großen und Ganzen schreibe ich meine Beiträge auf einmal.

Hast du schon einmal einen Beitrag komplett verworfen, weil du mit der Qualität nicht zufrieden warst?
Das weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur, dass ich kürzlich einige Beiträge meiner Anfangsphase gelöscht habe, da ich mit dessen Qualität nicht mehr zufrieden war. ;)

Wo schreibst du deine Beiträge (z.B. immer auf dem iPad Pro in der Badewanne)? Gibt es ein Bild von deinem „Blogarbeitsplatz“?
Am Schreibtisch oder auf dem Bett per Laptop.

Bloggst du alleine oder mit anderen zusammen?
Alleine. Und alles andere würde mich, denke ich, auch nerven. Da finde ich gut vernetzte Blogs, die sich gegenseitig unterstützen, besser.

Machst du für deine Beiträge eigene Fotos? Wenn ja, welche Rolle spielen sie für dich und wie bereitest du sie auf?

Ab und zu binde ich eigene Fotos in den Beitrag mit ein. In Rezensionen habe ich aber damit aufgehört und benutze die Cover-Bilder der Verlagsseiten, damit alles möglichst schön clean aussieht. Ich habe leider nicht so die Unter- und Hintergründe um alles IKEA-Katalog-mäßig aussehen zu lassen, wie andere Blogger.


Wie viel Zeit investierst du für deine Fotos?
Ein paar Minütchen.

Besprichst du auch Rezensionsexemplare und wie gehst du damit um?

Ich habe selber schon Rezensionsexemplare angefordert und besprochen. Wenn ich ein Buch wirklich haben und lesen möchte, schaffe ich es ohne Probleme. Ich habe aber auch schon eines ungefragt zugesendet bekommen, mit dem ich leider nichts anfangen konnte.


Wie wichtig sind für dich Social Media Kanäle und wie viel Zeit und Aufwand verbringst du, sie zu pflegen?

Ich nutze ein wenig Instagram. Ansonsten ist es mir zu aufwändig, auf allen Plattformen als Bloggerin präsent zu sein und Werbung zu machen.


Wie viel Zeit investierst du in technische Anpassungen und Pflege deines Blogs?

Nicht so viel. Ab und zu, erneure ich hier und da was und auch meinen Rezensionsreiter aktualisiere ich regelmäßig. Das Design oder Layout zu ändern, würde mich aber durcheinander bringen und ich bin momentan ganz zufrieden.


Was recherchierst du, bevor du ein Buch rezensierst?

Manchmal recherchiere ich den Autor/die Autorin und eine knappe Zusammenfassung des Inhalts, da mir knappe Inhaltsangaben ohne Spoiler nicht so leicht fallen.


Machst du auch einmal eine längere Pause vom Bloggen?

Ja, die hatte ich schon, inklusive längerer Lesepausen.


Beeinflussen dich andere Blogger oder Verlage über Themen oder Bücher zu schreiben? Wie groß ist dieser Einfluss?

Blogger und Zeitungsartikel beeinflussen mich ab und zu.


Wie entscheidend ist für die die Aktualität eines Buches? Schreibst du lieber über aktuelle Bücher oder ist der Erscheinungszeitpunkt egal?
Mit Neuerscheinungen habe ich kaum was am Hut. Das hat zum Einen etwas damit zu tun, dass ich Hardcover-Ausgaben nicht gerne lesen. Sie sind schwer und unhandlich im Bett, aber auch unterwegs in der Tasche. Am liebsten lese ich Taschenbücher und bis ein Buch ein Taschenbuch wird, dauert es meistens ein Weilchen (Bei den meisten Büchern zumindest, es gibt natürlich auch Bücher, die sofort als TB erscheinen). Da ich gerne Klassiker und andere, ältere, Bücher auf meiner Wunschliste habe, komme ich ohnehin kaum dazu, Neuerscheinungen hinterher zu jagen. Mich stört auch der Hype um Neuerscheinungen und dass viele sich da so mitziehen lassen. Das beste Beispiel ist „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara. Ich halte mich da gerne raus.

Samstag, 13. Mai 2017

Der Friedhof der abgebrochenen Bücher. Teil 4: Bettina Vibhuti Uzler - Party am Abgrund


Vor einigen Jahren habe ich bereits autobiographische Bücher von Christiane F. oder Jörg Böckem zum Thema Drogen und Sucht gelesen und fühlte mich sehr gut unterhalten. Das Eintauchen in eine solche Welt hat mir damals sehr gut gefallen, ich wollte die Beweggründe verstehen, warum Menschen sich so kaputt machen. Hier jedoch war ich einfach nur genervt und hatte keinerlei Verständnis.

Bettina Vibhuti Uzler wandert gleich zu Beginn des Buches ins Pariser Gefängnis, weil sie in Kolumbien dazu überredet wurde, Kokain nach Europa zu schmuggeln. Überredet wurde sie von Mafia-Typen, die mit ihrem Lover zu tun hatten. Für diesen hätte sie alles getan, obwohl er sich kaum für sie interessierte.
Einige Jahre später, so erzählt sie, schließt sie sich der Freetekno-Bewegung an und investiert Herzblut, Zeit und Geld darin, wobei immer irgendwelche Männer eine große Rolle spielen. Sie scheint völlig manipulierbar, fügt sich dem Willen ihrer anstrengenden Liebschaften und gerät dabei in komplizierte Situationen.
Und das war der Grund, weshalb ich das Buch nach etwa der Hälfte abbrechen musste. 
Ich denke, dass die Autorin heutzutage ihr Handeln und sich Manipulierenlassen kritisch hinterfragt, wegen dieses Verhaltens jedoch konnte ich mich so wenig mit ihr identifizieren, dass das Lesen keinen Spaß machte. Ich musste mich zu sehr ärgern. Mitunter wohl aus emanzipatorischer Sicht. 
Auch, dass sie zu jenem Zeitpunkt ihren Konsum nicht hinterfragte, keine Zweifel zeigte und sich alles reinhaute, was ihr in die Quere kam, stoß mich etwas ab. Ist es nicht normal, dass man, bevor man sich Pferdebetäubungsmittel (Ketamin) reinzieht, Angst hat? Aufgeregt ist? Zweifel hat? Das hatte die "Protagonistin" gar nicht und ein so unvernünftiges und unreflektiertes Verhalten fand ich schwierig zu lesen und als Leserin zu begleiten. 

Pluspunkte bekommt Vibhuti Uzler jedoch für Ihren Stil. Sie hat einen wirklich schönen Stil und ihre Trips hat sie stets malerisch beschrieben, ohne auszuufern. Ich würde durchaus Romane von ihr lesen, die sich nicht um ihre eigenen Drogenerfahrungen drehen.

Donnerstag, 11. Mai 2017

Neue Bücherei-Errungenschaften!

Ich war heute mal wieder in der Zentralbibliothek in Hamburg und habe mir einige tolle Bücher ausgeliehen. Jedenfalls gehe ich davon aus, dass sie toll sind! Dabei sind:


  • "Tagebücher" von Kurt Cobain 
  • "Die Reifeprüfung" von Charles Webb (der gleichnamige Film ist einer meiner Lieblingsfilme!) 
  • "Die Glasglocke" von Sylvia Plath 
  • "Lolita" von Vladimir Nabokov (Ich wusste gar nicht, dass es so ein seitenstarkes Buch ist) 
  • "Große Erwartungen" von Charles Dickens 
  • "Und die Eselin sah den Engel" von Nick Cave 

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, mit welchem ich als erstes anfangen soll. Vielleicht wird es "Die Glasglocke" sein, weil ich es schon so lange auf meinem Wunschzettel habe. Doch erst einmal muss ich meine aktuellen Bücher auslesen.

Dienstag, 9. Mai 2017

[Rezension] Julia Zange - Realitätsgewitter


Von "Realitätsgewitter" erfuhr ich durch einen anderen Blog. Ich hatte eine Rezension gelesen, welche mein Interesse für diesen Roman weckte. "Realitätsgewitter" wird dem Genre der Popliteratur zugerechnet, für welches ich mich momentan sehr interessiere, vor allem, wenn es sich dabei um zeitgenössische Popliteratur handelt.

Inhalt 
Marla ist 22, kommt aus der nordrhein-westfälischen Provinz, lebt in Berlin, hat 1675 Facebook Freunde und fühlt sich trotzdem einsam. Sie hat einige Bekannte, Kosmopoliten aus aller Welt, die sich in der Kunst- und Medienwelt herumtreiben, mit denen sie oberflächliche Gespräche führt. Ihr Philosophiestudium hat sie abgebrochen und ihre Eltern haben ihr den Geldhahn zugedreht. Während Marla uns daran teilhaben lässt, wie junge Menschen ihrer Generation so denken und fühlen, was sie in ihrer Freizeit machen und welches Lebensgefühl ihnen inne wohnt, muss sie auf einer Reise in die Heimat und nach Sylt lernen, erwachsen zu werden.

Meine Meinung
Marla ist ein Vorzeigeexemplar der Generation Y. Eine Generation, die nicht weiß, wohin, die keine tiefer gehenden Beziehungen und Freundschaften führt, sich nicht festlegen mag und dadurch eine innere Zerrissenheit und Unzufriedenheit spürt, obwohl sie sonst alles hat. Ich habe vieles, was Marla beschreibt, fühlt, sieht, wieder erkannt, nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen Angehörigen dieser Generation. Marla fungiert als Sprachrohr dieser Generation und zeigt auf, wie oberflächlich dieses Leben ist, was wir führen und wie leer die Herzen und Köpfe dieser jungen Menschen sind. 
Mediale und gesellschaftliche Ereignisse rauschen an Marla vorbei, ohne dass sie sich eine Meinung darüber bildet; lustige Tiervideos auf YouTube statt politischer Debatten.

Die Autorin Julia Zange verpackt dies in einen lockeren Stil, wird nicht kitschig und lässt ihren Roman auch nicht wie eine Persiflage aussehen, was nämlich leicht passieren kann, wenn man versucht, eine Generation, eine Zeit, eine Gruppe von Menschen zu charakterisieren. Zange scheint außerdem ein gutes Gehör für die Nonsens-Gespräche zu haben, die allerorts so geführt werden, sie gibt Gespräche wider, die keine Gespräche sind, sondern Worthüllen, die dazu dienen, sich zu präsentieren und den oberflächlichen Kontakt gerade so zu halten.

Die Authentizität, die den Roman umgibt, wird Zange auch zum Verhängnis: Ihre Eltern legten eine einstweilige Verfügung ein, da sie sich in dem Roman wieder erkannten. Eine Erfahrung, die auch der Autor Maxim Biller gemacht hat, dessen Exfreundin sich in seinem Roman "Esra" wieder erkannte und somit gerichtlich durchsetzte, den Roman nicht mehr vertreiben zu dürfen. Und gerade Maxim Biller ist es passenderweise, der auf dem Rücken des Buches zu Wort kommt: "Das kann nur Julia Zange: Alle zehn Jahre ein Buch schreiben, das man nicht mehr vergisst!"
Hoffen wir, dass es keine zehn Jahre dauern wird, bis Julia Zange ihren nächsten Roman veröffentlicht. An "Realitätsgewitter" habe ich nämlich großen Gefallen gefunden!

4 von 5 Sternen


Ich bedanke mich herzlich beim aufbau-Verlag über das Rezensionsexemplar!

Samstag, 6. Mai 2017

[Laberpost] Entscheide mit! Welches Buch soll ich als nächstes lesen?

Zurzeit lese ich abends das autobiographische Buch "Party am Abgrund" von Bettina Vibhuti Uzler. Für unterwegs, also die Bahnfahrten zur Schule, brauche ich aber noch ein Buch, da ich "Realitätsgewitter" von Julia Zange nun ausgelesen habe. Dies war die letzten Tage mein Buch für Unterwegs. 
Mir ist es wichtig, dass das Buch und der Titel diskret sind, während ich fahre. Meine Mutter hat mir zwar extra einen Umschlag genäht, der passt jedoch nicht auf alle Bücher. 
Deshalb stehen zur Zeit diese Bücher zur Auswahl:


"Herr Lehmann" von Sven Regener
"Der Wahlkreuzberger Lehmann ist noch keine dreißig, und er liebt sein ereignisloses Leben. Jahrelange Ausweichmanöver und heroische Trägheit haben ihn bisher erfolgreich vor den Ansprüchen seiner Umwelt verschont, bis das Jahr 1989 beginnt. Das Jahr der Wiedervereinigung stellt Herrn Lehmann auf eine harte Probe ...
In seinem gefeierten Debüt heftet sich Regener an die Fersen seines charmanten Protagonisten, der eine ungewöhnliche Reise durch den Mikrokosmos des Berliner Stadtviertels antritt." (randomhouse)


"Spinner" von Benedict Wells
"Jesper Lier, 20, weiß nur noch eines: Er muss sein Leben ändern, und zwar radikal. Er erlebt eine turbulente Woche und eine wilde Odyssee durch das neue Berlin. Ein tragikomischer Roman über die Angst, wirklich die richtigen Entscheidungen zu treffen." (diogenes)



"Oona & Salinger" von Frédéric Beigbeder
"Eines Nachts im verrauchten Stork Club im New York City der 40er-Jahre. Der aufstrebende Schriftsteller J.D. Salinger begegnet einer Frau, deren mystische Schönheit ihn in seinen Bann zieht: der fünfzehnjährigen Oona O’Neill. Einen Sommer dauert ihre Liebesgeschichte, bis der Zweite Weltkrieg ihr ein Ende setzt. Jerry meldet sich zur Armee, und Oona geht nach Hollywood. Die glühenden Liebesbriefe des jungen Autors bleiben unbeantwortet, denn Oona lernt den späteren Vater ihrer acht Kinder kennen: Charlie Chaplin. Jerry wird Oona nie vergessen – war sie gar die Inspiration für seinen Welterfolg »Der Fänger im Roggen«? Unverstellt, geistreich und selbstironisch erzählt Frédéric Beigbeder aus einem wenig beachteten Kapitel im Leben des Kultautors und vom größten Quell der männlichen Inspiration: dem Streben nach Jugend." (Amazon)


"Kaltblütig" von Truman Capote
"In Kansas wird eine von allen geachtete Familie auf ihrer Farm “kaltblütig” ermordet. Panik ergreift die Bürger der nahen Kleinstadt. Die beiden Täter werden schnell gefasst. Der autor besucht sie im Gefängnis und notiert alles, was sie ihm berichten. Sein aufregender Tatsachenroman ist eine zeitlose Studie über die Psychologie des Verbrechens." (rowohlt)


Und jetzt seid ihr dran! Welches von diesen Büchern soll ich als nächstes lesen? Könnt ihr mir eines besonders empfehlen oder wollt ihr zu einem der Bücher unbedingt eine Rezension von mir lesen? 
Schreibt mir in die Kommentare, welches Buch ich als nächstes lesen soll und das mit den meisten Stimmen wird es sein!





Freitag, 5. Mai 2017

[Rezension] Joachim Lottmann - Endlich Kokain


Ein provokanter Titel, oder? Auf das Buch bin ich gestoßen, als ich mir bei Amazon verschiedenste deutschsprachige Werk der popliterarischen Gattung anschaute. Manchmal stöbere ich mich einfach gerne durch die Vorschläge und setze Bücher auf die Wunschliste. Popliteratur lese ich echt gerne. Oftmals analysieren die Schriftsteller der Popliteratur gekonnt kulturelle und gesellschaftliche Phänomene, machen sich über sie lustig oder zelebrieren sie sogar. Zumindest werden typische Aspekte der zeitgenössischen Kultur und Gesellschaft benannt und in irgendeiner Weise reflektiert, ohne einen großen zeitlichen Abstand dazu zu haben. Das gefällt mir sehr gut und ich fühle mich dabei meist auch sehr gut unterhalten. So auch bei Lottmanns "Endlich Kokain"...

Inhalt
Ein rührend normaler, leider zu dicker Gutmensch, der nie wild, aufregend und hemmungslos gelebt hat, erhält die furchtbare Diagnose: noch maximal drei Jahre Lebenserwartung bei weiter zunehmendem Bluthochdruck und Bewegungslosigkeit. Der frühpensionierte TV-Redakteur fasst einen verzweifelten Entschluss, als er erfährt, dass nur harte Drogen gegen seine monströse Fettsucht helfen: Er beginnt eine »Kokain-Diät«. Der geborene Spießer protokolliert penibel Dosis und Wirkung, doch bald schon wird er immer rauschhafter, wilder, offener – und dünner! Sein Charakter löst sich auf. Er lügt, fälscht, betrügt, hat plötzlich Sex im Übermaß und steigt mit jedem verlorenen Pfund auf zur schrulligen Kultfigur der Wiener und schließlich auch der Berliner Kunstboheme. Nur ein Zufall kann ihn vor seinem naiven Optimismus und dem sicheren Drogenende retten.
Joachim Lottmanns Roman ist die eindrückliche Seelenstudie eines Mannes, der in einen Strudel dekadenter Abenteuer gerät. Ein furioser Anti-Entwicklungsroman, der zugleich das Porträt einer lebensgierigen Szene abseits der »normalen« krisenbesessenen Jammergesellschaft zeichnet. (KiWi-Verlag)

Meine Meinung
Auch, wenn ich etwas länger gebraucht habe, so hat mir das Lesen von Endlich Kokain wirklich Spaß gemacht. Lottmann hat eine Welt portraitiert, mit der ich nichts zu tun habe - die Welt der Künstler, der Medien und der Prominenten - und trotzdem hatte ich beim Lesen stets das Gefühl, diese Welt zu kennen. Ich konnte mir alles und jeden sehr gut vorstellen und habe seine Beschreibungen nicht bloß als Satire empfunden, sie wirkten wie aus dem Leben gegriffen.
Lottmanns bissig-satirischer Unterton ist sehr unterhaltend, wenn auch wahrscheinlich Geschmackssache. Meinen Geschmack hat er jedenfalls getroffen. 
So beschreibt er viele junge Frauen heutzutage als Klon aus der fabelhaften Welt der Amelie, die immer Kind bleiben wollen, sich durchgehend selbst analysieren und den kleinen Prinzen zitieren. Bei solchen Stellen musste ich wirklich lachen. Durch seinen Protagonisten spottet Lottmann über die politische Korrektheit der Medienwelt oder über die Grünen. 
So viel Spott und Witz ich herauslesen konnte, so wenig treibende Handlung besaß der Roman. Es lässt sich keine Pointe erkennen, kein Höhepunkt in der Geschichte, was es mir ein bisschen schwer machte, den Roman in einem Stück zu lesen. Spannung wurde so gut wie gar nicht aufgebaut, weshalb ich ab und zu auch gelangweilt war. 
Trotzdem würde ich ohne weiteres wieder zu einem "Lottmann" greifen, in der Hoffnung, einen Roman in der Hand zu halten, der die Menschen und das Leben bissig persifliert. 

3 von 5 Sternen


Dienstag, 2. Mai 2017

[Nostalgiepost] Die Bücher meiner Kindheit

In meinem vorletzten Post ging es darum, welche Kinderklassiker ich "nachholen" möchte, da ich sie in meiner Kindheit und Jugend nicht gelesen habe. Um mal beim Thema "Kindheit" zu bleiben, soll es heute um die Bücher gehen, die mich in früher Kindheit begleitet haben, also während meiner Kindergarten- und Grundschulzeit.

Beginnen wir mit den Bilder- und Vorlesebüchern. 

Pixi-Bücher gehören zu den ersten Büchern, an die ich mich erinnern kann. Sie gehörten bei uns zum Standard-Repertoir abendlicher Vorlesegeschichten


Geliebt habe ich vor allem die Klassiker wie Mama Miezemau und ihre Kinder oder Der kleine Kater Schnurr. Vermenschlichte Tiere habe ich schon immer klasse gefunden, vor allem, wenn sie schön illustriert sind. Meine Mutter hat diese Pixi-Klassiker bereits in ihrer Kindheit gelesen.




Zu den Klassikern, die natürlich in keinem Haushalt fehlen dürfen, gehört Der Struwwelpeter mit seinen düster-pädagogischen Geschichten. Auch, wenn sie heutzutage eher weniger pädagogisch wertvoll und gar gruselig sind, fand ich diese Geschichten rund um die Kinder, die sich nicht artig benahmen, faszinierend. Auch für Bücher in Versform waren (und sind) meine Mutter und ich immer zu haben.



Ähnlich ist es mit einem Klassiker, der fast immer im selben Atemzug mit dem Struwwelpeter genannt wird: Max und Moritz. Die Geschichten von Max' und Moritz' Streichen waren manchmal wirklich grausam, da sie auch nicht Halt vor Tieren machten. Jedoch fand ich auch dieses Buch faszinierend und wenn es mir nicht gerade vorgelesen wurde, so habe ich gerne die Illustrationen des Buches, stundenlang, angeschaut. Auch hier hat uns das Lesen der Verse besonders großen Spaß gemacht.


Zu Weihnachten gab es nicht nur Weihnachtsmärchen- und Geschichten aus unserem dicken Weihnachtsbuch, sondern auch eine weihnachtliche Adaption der Muppet BabiesDieses Buch erzählt Baby Kermits Treffen mit dem Weihnachtsmann. Es ist wunderschön illustriert und hat mir immer eine ganz heimelige, geborgene Atmosphäre vermittelt. Auch wenn hier das englischsprachige Cover abgebildet ist: Ich besaß das Buch auf Deutsch.


Auch Ostern spielte als Kind natürlich eine große Rolle. Wobei ich denke, dass ich mir dieses Buch nicht nur zu Ostern habe vorlesen lassen. Es handelt sich um das Bilderbuch "Familie Lampe" mit Illustrationen von Karin von Kleist. Der Text ist wieder in Versdichtung geschrieben und machte durch seine Reime besonderen Spaß. Über die Jahre hatte ich diese Ausgabe leider verloren und eine spätere Auflage im Internet gekauft. Ich musste leider feststellen, dass die spätere Ausgabe, wie ich sie mir nachgekauft hatte, gekürzt ist. Es fehlen also Teile der Geschichte samt Illustrationen. Wenn man dies nicht weiß, ist es aber kaum zu merken. Die Ausgabe, wie hier abgebildet, ist schon antiquarisch und kostet um die 30-40 Euro.



Ein Buch, mit dem ich im Kleinstkindalter die Farben gelernt habe, war ein Bilderbuch von Richard Scarry. Ich habe leider kein deutsches Cover gefunden, weshalb ich stellvertretend ein englisches zeige. Es handelt sich um den "Malermeister Ferk", der den Kindern die verschiedenen Farben anhand von Alltagsgegenständen und - Situationen erklärt.


Aufgewachsen bin ich außerdem mit dem Bilderbuchklassiker Wo die wilden Kerle wohnen von Maurice Sendak, der bereits meinem 10 Jahre älteren Bruder gehörte. Die Geschichte und die Zeichnungen dahinter fand ich immer besonders faszinierend. Der Protagonist Max ist kein besonders sympathisches Kind, das dachte ich damals bereits, sein Einstieg in die Welt der wilden Kerle ist jedoch bezaubernd und aus erwachsener Sicht eine Ode an die kindliche Fantasie.


Ebenfalls von meinem Bruder "vererbt" bekam ich Peterchens Mondfahrt von Gerdt von Bassewitz mit Illustrationen von Hans Baluschek. Ein Buch, welches ich mir stundenlang anschauen konnte.





Märchen gehörten natürlich auch zum abendlichen Vorlese-Programm. Besonders schön fanden meine Mutter und ich die Märchen Christian Andersens in dieser Ausgabe. Die Zeichnungen sind einfach wunderschön. Ich erinnere mich, dass viele Märchen sehr traurig endeten. Die kleine Seejungfrau brachte mich zum Weinen, als sie sich in Meeresschaum auflöste.


Auf einem Flohmarkt kaufte meine Mutter ein Buch (in Versform), das die Abenteuer des Sehpferdchens erzählte. Das Sehpferdchen war eine Werbefigur des NDR in den 50er und 60er Jahren. Meine Mutter kannte es daher aus ihrer Kindheit. Das Buch hat uns sehr viel Spaß gemacht. Wir haben hier immer besonders mit den Reimen gespielt, in dem ich im folgenden Satz den Reim erraten musste. Das war pädagogisch sehr wertvoll! ;)


Eine ebenfalls sich reimende Geschichte war Das quiek-fidele Borstentier von Winfried Opgenoorth und Mira Lobe. Die Zeichnungen sind mit Liebe zum Detail gearbeitet, die Geschichte ist amüsant und der Text sehr lustig zu lesen. Ein ganz tolles Buch!


Auch das Salamander-Schuh - Maskotten Lurchi hatte eine eigene Kinderbuchreihe, die ich sehr gerne vorgelesen bekam. Die Geschichte war -natürlich- in Versform verfasst und dadurch wieder sehr lustig. Innerhalb der Geschichte gab es ganz viele liebevolle Illustrationen, die das Buch ein wenig nach Comic aussehen ließen.



Im Grundschulalter las ich Der kleine Vampir von Angela Sommer-Bodenburg, da ich die alte TV-Serie schon so geliebt hatte. 


Auch Astrid Lindgrens Kinder aus Bullerbü waren dabei. Auch davon habe ich die Verfilmungen geliebt, die oft an Feiertagen im TV liefen. Wie sehr habe ich mir immer gewünscht, in einem solchen Dorf zu wohnen, wie sie.


Und bestimmt gab es noch ganz viele andere Bücher, an die ich mich nicht erinnere.

Kennst du einige der Bücher? Wenn ja, wie haben sie dir gefallen? :)

















Montag, 1. Mai 2017

[Rezension] Michael Ende - Momo


Kinder- und Jugendliteratur zu lesen ist zur Abwechslung sehr entspannend. Ich wollte immerhin einige Klassiker nachholen, die ich als Kind nicht gelesen hatte und habe sogleich mit Momo begonnen.

Inhalt
Momo lebt in einem zerfallenen Amphitheater in einer fiktiven Stadt und besitzt nichts außer der Gabe, gut zuhören zu können. Sie kann so gut zuhören, dass viele Bewohner und Freunde zu ihr kommen, um zu erzählen. Dabei schöpfen sie neue Kraft, neuen Mut und neue Ideen und können in ihrer Anwesenheit einfach drauf los reden.
Ihre besten Freunde sind Beppo Straßenkehrer und Gigi Fremdenführer. Auch einige Kinder kommen öfter zu ihr ins Amphitheater um dort zu spielen, wobei es ihnen dort, in Momos Anwesenheit gelingt, sich ganz besondere Spiele auszudenken.
Eines Tages tauchen die grauen Herren auf und versuchen die Menschen dazu zu bringen, Zeit zu sparen. Immer mehr Bewohner der Stadt lassen sich einlullen und beginnen Zeit zu sparen und sie bei der Zeitsparkasse abzugeben. Was sie jedoch nicht wissen: Sie verlieren an wertvoller Zeit, anstatt sie zu sparen und somit auch an Lebensqualität. Familien und Freunde verbringen kaum noch Zeit miteinander, alle Menschen sind gehetzt und gereizt und sie können ihr Leben nicht mehr genießen.
Momo spürt, dass die Stadt, die Menschen, sich verändern und durch ihre besondere Gabe plaudert einer der grauen Herren all die Absichten aus, die er und seine Kollegen haben. Momo und die Kinder versuchen, den Erwachsenen die Augen zu öffnen, doch es kommt nur schlimmer und Momo bleibt am Ende die einzige, die vor den Zeitdieben verschont geblieben ist und nun ihre Mitmenschen vor ihnen retten muss...

Meine Meinung
Als erstes fiel mir Michael Endes poetische Sprache auf. Sie ist für ein Kinderbuch sehr ausgeschmückt, gehoben und überhaupt nicht kindlich oder besonders simpel gehalten. Das hat mir beim Lesen sehr viel Spaß gemacht und ich fühlte mich deshalb nicht unterfordert oder gelangweilt. Dies finde ich auch für Kinder wichtig. Kinder müssen sich, meiner Meinung nach, auch mit einem, für sie, schwierigerem Sprachstil auseinander setzen. Man muss ihnen etwas zutrauen, anstatt ihnen nur simple Sprache vorzusetzen, die aus Hauptsätzen besteht. 
Auch die Handlung lässt sich als Erwachsener gut lesen und ist an einigen Stellen durchaus anspruchsvoll, da in Momo mitunter philosophische Gedanken zu finden sind, die man nicht auf Anhieb heraus liest und versteht. Die Philosophie Momos war es auch, die mich gefesselt hat, die mich eine tiefe Sympathie zum Buch aufbauen ließ. 

Momo ist ein "Märchenroman" für Alt und Jung und ich würde es definitiv jedem Kind empfehlen. Für Erwachsene ist es eine lockere Geschichte für Zwischendurch, die durchaus ihren Anspruch hat, jedoch nicht aufreibend ist oder einen besonders fordert. 

4 von 5 Sternen