Donnerstag, 30. Januar 2014

[Rezension] Tino Hanekamp - So was von da





Ich schreibe gerade an einer Geschichte. Der Hauptschauplatz ist Hamburg, meine Heimatstadt. Als ich die ersten Kapitel dieser Geschichte einer guten Freundin zum Lesen schickte, sagte sie, es erinnere sie an "So was von da" von Tino Hanekamp. Ich hatte noch nie etwas von diesem Roman gehört und schwupps, hatte ich das Buch dank ihr in meinem Briefkasten.

Inhalt
31. Januar, Hamburg St. Pauli: Oskar Wrobel wacht nach einer durchzechten Nacht verkatert in seiner Wohnung auf. Er betreibt mit einem Freund einen Club am Ende der Reeperbahn, in dem nicht nur eine Silvester-, sondern auch eine Abrissparty stattfinden soll, da der Club eben abgerissen wird.

Doch Oskar und seine verrückten Freunde organisieren und feiern nicht nur diese Party, nebenbei muss er auch noch zusehen, dass er bis zum Ende dieser Partynacht 10000€ zusammen bekommt, da er beim Ex-Luden "Kiezkalle" Schulden hat und er ihm sonst die Finger brechen würde. Mindestens. Außerdem ist da noch seine große Liebe Mathilda, an die er stets denken muss...

Meine Meinung
Zu Beginn muss ich sagen, dass ich es liebe, wenn in Büchern bekannte, oder auch vertraute Orte beschrieben werden. Der Kiez, die Locations, die Straßen, die Leute, die Gepflogenheiten... Ich habe mich beim Lesen richtig zu Hause gefühlt. Doch auch für jemanden, der Hamburg nicht kennt, ist die Beschreibung gut nachzuvollziehen und man kann sich sehr schnell in die Szenerie einfühlen.

In dem Roman ist man nur einen Tag an der Seite von "Oskar Wrobel" und doch kommt es einem vor, als sei man über einen viel längeren Zeitraum dabei. Es geschieht so viel, es werden einem viele interessante Charaktere vorgestellt und man erfährt viel über den Ich-Erzähler Oskar. Man will mitmachen, mitfeiern, ausrasten, lachen, weinen und einfach nur "so was von da" sein.

Zwischen der lebhaften und temporeichen Nacherzählung dieser Party sind auch Oskars interessante Gedanken und Ansichten zu lesen.

Mir besonders im Gedächtnis geblieben ist folgende Stelle:

"Der Alte geblieben. Mir ist schlecht. [...] Was daran gut sein soll, wenn man der Alte bleibt? Das ist doch nur für die anderen gut, damit sie nicht merken, dass in ihrem Leben nichts passiert. Nur die Verweser wollen, dass alles beim Alten bleibt. Die Gemütlichen, die Bequemen, die Jasager und Nachmacher wollen das Alte, immer nur das Alte, und nicht etwa alte Häuser, Musiken, Filme oder Bücher,sondern ihr Leben so, wie sie es kennen. Damit sie nicht merken, dass sie stillstehen. Weil sie Angst haben. Sie haben Angst, Angst vor allem, vor allem vor ihren Lügen und davor, eines Tages aufzuwachen und zu erkennen, dass sie alles verpasst haben, dass alles an ihnen vorbeigezogen ist, dass sie immer noch da sind, wo sie immer schon waren."

Dieses Buch ist ein Entwicklungsroman über Leidenschaft, Jugend, Freundschaft, Liebe und unkonventionelles Leben. Jeder der wichtigen Charaktere spielt eine besondere Rolle, hat ein besonderes Schicksal und repräsentiert seine eigene Form von Nonkonformität in einer starren, nach festgelegten Regeln lebenden Gesellschaft.

Die Geschichte scheint außerdem eine Anlehnung an Hanekamps eigenen Lebensweg zu sein, der tatsächlich Mitbegründer eines Clubs am westlichen Ende der Reeperbahn war, der letztendlich abgerissen werden musste. Vielleicht sind ja auch einige Charaktere dem wahren Leben entnommen und eine Frau hat Mathilda als Vorbild gedient.

Tino Hanekamp ist heute nicht nur Schriftsteller, sondern auch Journalist und Mitbegründer des Clubs "Uebel&Gefährlich", der wohl einer der bekanntesten Clubs im Norden ist.

Mein Fazit: Temporeich, leidenschaftlich, realistisch und anders. So mag ich es. Lieblingsbuch!

5 Sterne!




Freitag, 24. Januar 2014

[Rezension] Robert Ide - Geteilte Träume - Meine Eltern, die Wende und ich


Der Journalist Robert Ide ist 14 als die Mauer fällt und mit diesem politischen Wandel kehrt nicht nur Euphorie in die Familien der "neuen Bundesländer" ein, sondern auch Ernüchterung, Verzweiflung und ein Gefühl von Heimatlosigkeit.
Robert Ide erzählt viele private Anekdoten von sich, seinen Freunden und anderen Menschen aus Ost-Berlin und der sächsischen Heimatstadt seiner Eltern, die sich vor, während und nach der Wende abspielten. 

Interessant ist, dass man hier nicht auf ein Buch trifft, das vollgestopft ist mit Ostalgie à la "Ach wie gut waren unsere Spreewaldgurken!" oder Selbstbemitleidung à la "Wir hatten doch nüscht!" Eher ist es ein Bericht, der relativ gefühlsduselfrei widergibt, wie es einigen Menschen während dieser Zeit ergangen ist und welche Fakten dabei reinspielten.

Viele Anekdoten sind teilweise zum Schmunzeln und auch die Reflektion auf die DDR-Vergangenheit erfolgt irgendwie selbstironisch, aber auch kritisch. 
So fragt sich der Autor zum Beispiel, warum viele nichts getan haben, um Freiheit zu erlangen; wer wohl alles bei der Stasi war; wie das Verhältnis zwischen ost- und westdeutschen Bürgern ist usw.
Man erfährt aber auch Kleinigkeiten über den DDR-Alltag: Man freute sich, wenn man mal kubanische Orangen ergatterte; Männer mussten sich 3 Jahre verpflichten, um problemlos zum Abitur und Studium zu gelangen; Ein Telefon im Haushalt war keine Selbstverständlichkeit; Die Stasi wurde liebevoll "Horch und Guck" genannt; Im eigenen Kleingarten hatte man seine Ruhe - wenn auch direkt an der Mauer und die Kinder machten Urlaub im Ferienlager oder im Kurheim 
Über den Autor und sein Umfeld erfährt man, was die Hürden in der DDR waren, was für Träume sie nach der Wende hatten und inwieweit jeder einzelne seinen Lebensweg dabei gemeistert hat. Es entstehen hier verschiedene Lebenseinstellungen, Ansichten und Lebenswege, die geprägt sind von Unsicherheit, Neugierde, Träumerei, Heimweh und innerlicher Zerrissenheit.

Kritisch wird natürlich auch die Wende betrachtet, zum Beispiel wenn es um die "Vernichtung" etlicher Arbeitsplätze geht.
In der DDR wurden in der Schule die negativen Folgen des Kapitalismus und Imperialismus gelehrt: Wohnungsnot durch Spekulanten, Armut, Kinderarmut. Und es ist irgendwie erschreckend, wenn man liest, was für "Propaganda" damals dort gelehrt wurde, die sich dann aber doch in der BRD aktuell bewahrheitet. So sind Kinderarmut und Wohnungsnot in den Großstädten aktuell wie nie, wodurch man fast zwangsweise in die Position gerät, zu sagen: "Nicht alles an der DDR war schlecht." und "Die Wende hat nicht nur Gutes mit sich gebracht."
Die DDR-Bürger mussten ihre Freiheit in vielen Dingen einbüßen. Doch wie sieht es im Westen aus? Ist Kinderarmut wirklich so viel besser?
Viele Themen werden in diesem Buch zwar nicht ausführlich eruiert, regten mich aber zum Nachdenken an. Folgende Fragen kommen mir dabei in den Sinn:

  • Kam die Wende dann doch zu schnell?
  • Waren die Bürger der DDR überhaupt bereit dazu?
  • War das System der BRD überhaupt bereit dazu?
  • War die Wende überhaupt gewollt oder wurden die Menschen damit überrumpelt?
  • Auch wenn die Menschen der ehemaligen DDR an Freiheit gewonnen haben, wurde ihnen durch die Wende nicht wieder ein anderes politisches und gesellschaftliches System übergestülpt, nach dem sie sich nun richten mussten?
  • Warum wurde von der DDR nichts übernommen? (Kinderbetreuung, Industrie, Schulformen)

Zusammenfassend könnte man sagen, dass dieses Buch ein unterhaltsamer und informativer Schmöker ist, der private Erfahrungen mit Fakten über die Zeit, rund um die Wende, verknüpft und somit Einblick in eine andere, vielleicht aufregende, vielleicht schwierige Zeit gebietet. Vor allem für mich als "Wessi" interessant, da ich keine Familienmitglieder habe, die mir von dieser Zeit berichten können. An einigen Stellen hätte ich mir aber mehr persönliche Anekdoten und weniger faktisches gewünscht.

Fazit: 3 Sterne!







Donnerstag, 23. Januar 2014

Was liest man eigentlich so, wenn Harry Potter vorbei ist?

Es ist nun schon einige Jährchen her, dass die Buchreihe "Harry Potter" beendet wurde. Und auch genau seit dem Zeitpunkt, als ich den letzten Band ausgelesen hatte, stellte sich mir die Frage "Was lese ich nun?"
Natürlich habe ich Zwischendurch viele andere Bücher gelesen, die mir gefallen und die mich begeistert haben. Nur eben auf eine andere Art und Weise wie "Harry Potter".
Ich suchte aber von da an eine ähnlich fesselnde Story mit Charakteren die leben und sich entwickeln, mit einer Welt die einem fremd ist, aber bei der man beim Lesen das Gefühl hat, dass sie einem doch sehr vertraut ist. 
Ich stellte fest, dass es Fantasy sein musste. Jugend-Fantasy um genau zu sein. Und eigentlich stehe ich gar nicht auf gewöhnlichen Fantasy. Denn Fantasy wie "Herr der Ringe" hatte ich mit dem ersten Band mal versucht, aber für zu langweilig befunden. 
Ich bestellte mir "Tintenherz" von Cornelia Funke und las es relativ schnell durch. Die Geschichte hat mich auch begeistert, nur leider hat die Begeisterung nicht gereicht. Den zweiten Band "Tintenblut" habe ich zu Hause liegen und leider nicht gelesen. (Ich verspreche hiermit mir selber, dass ich ihn lesen werde, sobald ich wieder in der Heimat bin (und mir den dritten Band der Reihe auch noch holen werde) )
"Tintenherz" war schön und gut, kam aber einfach nicht an "Harry Potter" heran.

Über die Jahre verlor ich den Mut, nach einer Serie zu suchen, die mich genauso fesseln, die es aufnehmen könnte mit "Harry Potter". Ich las viel Belletristik, Klassiker und entdeckte dabei einige Goldstücke.
Doch nun erinnere ich mich wieder an das Gefühl von "Harry Potter", plane, mir die Taschenbuch-Ausgaben demnächst zu kaufen und frage mich erneut: "Was liest man eigentlich so, wenn 'Harry Potter' vorbei ist?"

Ich habe mich online auf die Suche gemacht, google befragt, Amazon durchforstet und erhielt so einige Vorschläge...




"Schule der Magier - das geheime Portal" von Henry Neff (3 Bände)

Amazons Kurzbeschreibung:



"Verborgen vor neugierigen Blicken, geschützt von fähigen Agenten, liegt eine geheime Schule, die letzte ihrer Art und die einzige, die Max’ erstaunliche Gabe ausbilden kann: seine Zauberkräfte.
Als Max bei einem Museumsbesuch einen geheimnisvollen Wandteppich entdeckt, der merkwürdig leuchtet, nimmt sein Leben eine dramatische Wendung: Er erfährt, dass er zu den Wenigen gehört, die über magische Kräfte verfügen, und aufgenommen wird in die geheime Schule der Magier. Als Max und sein Freund David die Geheimnisse der altehrwürdigen Schule erkunden, machen sie eine furchtbare Entdeckung: Astaroth, der Anführer der bösen Mächte, lebt seit Hunderten von Jahren in einem alten Bild Rembrandts gefangen. Und seine Helfer scheuen vor keiner Untat zurück, ihn zu befreien – auch nicht vor dunkelster Magie …"

Erinnert ein wenig an Harry Potter, oder? Aber das muss ja nicht unbedingt schlecht sein, wenn Henry Neff sich von J. K. Rowling inspirieren lassen hat. 
Dieser Buchreihe würde ich durchaus eine Chance geben. Zauberlehrlinge und Kampf gegen Gut und Böse ist absolut etwas, was ich gebrauchen kann! :-D
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"Liebe geht durch alle Zeiten" von Kerstin Gier (3 Bände)

Amazons Kurzbeschreibung:

"Manchmal ist es ein echtes Kreuz, in einer Familie zu leben, die jede Menge Geheimnisse hat. Der Überzeugung ist zumindest die 16jährige Gwendolyn. Bis sie sich eines Tages aus heiterem Himmel im London um die letzte Jahrhundertwende wiederfindet. Und ihr klar wird, dass ausgerechnet sie das allergrößte Geheimnis ihrer Familie ist. Was ihr dagegen nicht klar ist: Das man sich zwischen den Zeiten möglichst nicht verlieben sollte. Denn das macht die Sache erst recht kompliziert!"

Okay. Es scheint um ein zeitreisendes Mädchen und um Liebe zu gehen, soweit ich das verstanden habe. Die Bände tragen alle die Namen von Edelsteinen ("Rubinrot", "Saphirblau" und "Smaragdgrün"), die in den Büchern wohl auch eine Rolle spielen.
Ich glaube, dass das Buch eine ganz unterhaltsame Sache ist. Aber ob es mich sehr fesseln würde?
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"Eragon" von Christopher Paolini (4 Bände)

Amazons Kurzbeschreibung:

"Als Eragon auf der Jagd einen blauen Stein findet, ahnt er nicht, dass dieser Fund sein Leben verändern wird. Denn aus dem Stein schlüpft ein Drachenjunges und beschert Eragon ein Vermächtnis, das älter ist als die Welt. Über Nacht wird er in eine schicksalhafte Welt voller Magie und dunkler Mächte geworfen, die regiert wird von einem Herrscher, dessen Grausamkeit keine Grenzen kennt. Mit nichts als einem Schwert bewaffnet, stellt sich Eragon dem Kampf gegen das Böse, an seiner Seite seine treue Gefährtin, der blaue Drache Saphira."

Mit Drachen, magischen Steinen und dem Kampf von Gut und Böse liegt offenbar ein klassischer Fantasy-Roman vor. Besonders interessant ist, dass der Autor zum Zeitpunkt der Veröffentlichung erst 15 war. Allein aus diesem Grund würde ich zumindest den ersten Band lesen, um zu schauen, wie die schriftstellerischen Qualitäten eines so junges Autors ausfallen. 
:-)
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"Skulduggery Pleasant" von Derek Landy (9 geplante Bände)

Amazons Kurzbeschreibung: 



"Eine Kleinigkeit wie der Tod wird ihn nicht aufhalten 
Er ist kein gewöhnlicher Detektiv. Er ist Zauberer und Meister der kleinen schmutzigen Tricks, und wenn die Umstände es erfordern, nimmt er es mit dem Gesetz nicht so genau. Er ist ein echter Gentleman. Und ... er ist ein Skelett. 
Als Stephanie Skulduggery Pleasant das erste Mal sieht, ahnt sie noch nicht, dass sie ausgerechnet mit ihm eines ihrer größten Abenteuer erleben wird. 
Denn um den mysteriösen Tod ihres Onkels aufzuklären, muss sie Skulduggery in eine Welt voller Magie begleiten - eine Welt, in der mächtige Zauberer gegeneinander kämpfen, Legenden plötzlich zum Leben erwachen und in der das Böse schon auf Stephanie wartet ..."

Ein Mädchen und ein zauberndes Skelett im Anzug im Kampf gegen das Böse? Klingt ziemlich ungewöhnlich, aber auch nach US-Comic. So sehen im Übrigen auch die Cover der Buchreihe aus. Auf Englisch soll die Geschichte angenehm zu lesen und die Sprache humorvoll sein. Die Geschichte ist auf mehrere Bände verteilt und soll angeblich etwas brauchen, bis sie so richtig fesselnd wird. Ich denke, dass ich mir mal den ersten Band auf Englisch besorgen werde. Allein schon, um mal wieder etwas auf Englisch zu lesen.
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"The Bone Season" von Samantha Shannon (7 geplante Bände)

Amazons Kurzbeschreibung:

"Sie ist stark, sie ist schnell, und sie kann etwas, was sonst niemand kann: die Gedanken anderer auskundschaften. In einer Welt, in der Freiheit verachtet und Träume verboten sind, wächst die junge Paige zu einer Kämpferin heran. Doch dann wird sie erwischt und in eine geheime Stadt verschleppt, in der ein fremdes Volk herrscht, die Rephaim. Und wo sie Arcturus trifft, den jungen Rephait mit den goldenen Augen. Er ist das schönste und unheimlichste Wesen, das sie je gesehen hat. Seine Gedanken sind ihr ein Rätsel. Und ausgerechnet ihm soll Paige von nun an als Sklavin dienen… Sie ist stark, sie ist schnell, und sie kann etwas, was sonst niemand kann: die Gedanken anderer auskundschaften. In einer Welt, in der Freiheit verachtet und Träume verboten sind, wächst die junge Paige zu einer Kämpferin heran. Doch dann wird sie erwischt und in eine geheime Stadt verschleppt, in der ein fremdes Volk herrscht, die Rephaim. Und wo sie Arcturus trifft, den jungen Rephait mit den goldenen Augen. Er ist das schönste und unheimlichste Wesen, das sie je gesehen hat. Seine Gedanken sind ihr ein Rätsel. Und ausgerechnet ihm soll Paige von nun an als Sklavin dienen…" 


Ein hellsehendes Mädchen in einer fantastischen, sowie dystopischen Zukunftskulisse - Das klingt unheimlich spannend! Die Autorin hat schon früh damit begonnen, wie eine Verrückte zu schreiben und zu schreiben und zu schreiben, doch leider wurde ihre erste Trilogie "Aurora" von den Verlagen abgelehnt.
Verglichen wird sie mit J. K. Rowling und das nicht nur, weil ihr Buch vom selben Verlag "Bloomsbury" gekauft wurde. Das Buch ist auf meiner Wunschliste und wird definitiv irgendwann mal gelesen.
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"Die Geheimnisse des Nicholas Flamel" von Michael Scott (6 Bände)

Amazons Kurzbeschreibung:

"San Francisco 2007. Am helllichten Tag wird in Nick Flemings Buchhandlung unter Einsatz von Magie ein altes Buch gestohlen. Die Zwillinge Sophie und Josh staunen nicht schlecht, als der Buchhändler sich als der berühmte Alchemyst Nicholas Flamel zu erkennen gibt, geboren vor über 670 Jahren! Er hat einst das Geheimnis ewigen Lebens entdeckt und nun sind die Mächte des Bösen hinter ihm her. Ein atemberaubendes Abenteuer beginnt …"

Erinnert sich noch jemand an Nicholas Flamel? Ja richtig, Nicholas Flamel fand Erwähnung in "Harry Potter und der Stein der Weisen". Jener soll den "Stein der Weisen" gefunden haben und dadurch unsterblich geworden sein (und ist somit auch in der Harry Potter-Zeit noch am Leben und ein guter Freund von Dumbledore.)
Flamel soll wirklich existiert haben und auch der "Stein der Weisen" ist keine Erfindung von Rowling oder Scott.
Ich bin ein großer Fan davon, wenn real existierende Personen, Geschichten, Legenden, Märchen usw in Romanen neu interpretiert und irgendwie eingeflochten werden.
Diese Geschichte hört sich doch sehr magisch an und könnte einen eventuell in den Bann ziehen.
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"Percy Jackson" von Rick Riordan

Amazons Kurzbeschreibung:

"Percy versteht die Welt nicht mehr. Jedes Jahr fliegt er von einer anderen Schule. Ständig passieren ihm seltsame Unfälle. Und jetzt soll er auch noch an dem Tornado schuld sein! Langsam wird ihm klar: Irgendjemand hat es auf ihn abgesehen. Als Percy sich mit Hilfe seines Freundes Grover vor einem Minotaurus ins Camp Half-Blood rettet, erfährt er die Wahrheit: Sein Vater ist der Meeresgott Poseidon, Percy also ein Halbgott. Und er hat einen mächtigen Feind: Kronos, den Titanen. Die Götter stehen Kopf - und Percy und seine Freunde vor einem unglaublichen Abenteuer ..."

Bei diesem Buch bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich es lesen würde. Ist es vielleicht doch zu sehr ein "Jungen"-Fantasy-Roman? Ist es zu sehr an Superhelden-Geschichten angelehnt? So zumindest kommt es mir auf den ersten Blick vor. Andererseits: Ein normaler Junge, der von einem Tag auf den anderen in eine fantastische Welt eingeführt wird, das kennt man ja von "Harry Potter" und war mit eines der Storyelemente, das verzauberte. 
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"Der dunkle Turm" von Stephen King (8 Bände)

Amazons Kurzbeschreibung: 

"Im ersten Band von Stephen Kings epischer Fantasyserie durchstreift Roland, der letzte Revolvermann, auf der Suche nach dem mysteriösen Dunklen Turm eine sterbende Welt. Der Auftakt zur großen Saga jetzt in einer von Stephen King komplett überarbeiteten Fassung mit neuem Vorwort und neuer Einführung."

Stephen King ist normalerweise bekannt für Horror und Thriller. Mit der "Turm"-Saga, hat er sich aber sein "eigenes Herr der Ringe erschaffen" und bezeichnet diese Reihe als "das wichtigste Werk seines Lebens".
Der dunkle Turm-Zyklus soll richtig episch sein und verbindet Western, Horror, Sci-Fi und Liebesroman miteinander. 
Der erste Band soll angeblich noch nicht allzu viel Handlung aufweisen und eher etwas wie ein langer Prolog sein und im zweiten soll es dann so richtig losgehen.
Die ersten beiden Bände würde ich definitiv anlesen!
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"Silber" von Kerstin Gier (3 Bände geplant)

Amazons Kurzbeschreibung:



"Geheimnisvolle Türen mit Eidechsenknäufen, sprechende Steinfiguren und ein wildgewordenes Kindermädchen mit einem Beil … Liv Silbers Träume sind in der letzten Zeit ziemlich unheimlich. Besonders einer von ihnen beschäftigt sie sehr. In diesem Traum war sie auf einem Friedhof, bei Nacht, und hat vier Jungs bei einem düsteren magischen Ritual beobachtet.
Zumindest die Jungs stellen aber eine ganz reale Verbindung zu Livs Leben dar, denn Grayson und seine drei besten Freunde gibt es wirklich. Seit kurzem geht Liv auf dieselbe Schule wie die vier. Eigentlich sind sie ganz nett. 
Wirklich unheimlich – noch viel unheimlicher als jeder Friedhof bei Nacht – ist jedoch, dass die Jungs Dinge über sie wissen, die sie tagsüber nie preisgegeben hat – wohl aber im Traum. Kann das wirklich sein? Wie sie das hinbekommen, ist ihr absolut rätselhaft, aber einem guten Rätsel konnte Liv noch nie widerstehen …"


Wieder eine Reihe von Kerstin Gier. Diese Autorin scheint in letzer Zeit ziemlich populär zu sein. Zumindest sehe ich des öfteren Rezensionen zu ihren Romanen auf anderen Bücherblogs. Das was ich darüber gelesen habe, überzeugt mich sogar mehr als die "Liebe geht durch alle Zeiten"-Reihe, die mir ziemlich romantisch vorkommt.
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Die große Konjunktion von André Hahn (1 Band?)

Amazons Kurzbeschreibung:

"Es geschieht an einem herrlichen Frühlingstag: Die Idylle zerbricht, als Mia, die erst dreijährige Schwester des jungen Erik Mittland, von grunzenden Kreaturen aus ihrem Elternhaus entführt und in den nahegelegenen Wald verschleppt wird. Während der Verfolgung findet sich Erik unvermittelt in einer bizarren Parallelwelt wieder, die von Menschen und Mutanten gleichermaßen bewohnt wird. Von den Entführern zusammengeschlagen und zum Sterben zurückgelassen sind es zwei von der Gesellschaft Verstoßene, die ihn - wenn auch widerwillig - retten und vor seinem Schicksal bewahren. Wie sich langsam herauskristallisiert, soll Mia von einem uralten Wesen als Opfer bei einer mythischen Sternenkonstellation - der Großen Konjunktion - dargebracht werden, welche diesem die lang ersehnte Allmacht und Unsterblichkeit verspricht. Auf der verzweifelten Suche nach seiner Schwester in einer fremden, wenn auch in vielen Dingen der Erde seltsam ähnlichen Welt, muss Erik feststellen, dass es nicht unbedingt die Menschen sind, auf deren Hilfe er hier zählen kann."

Hört sich auf alle Fälle spannend an und ist auch schon auf meiner Wunschliste. Leider scheint es sich dabei nur um einen Band zu handeln. 
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Mich beschleicht das Gefühl, dass die hier vorgestellten Bücher lediglich eine Ersatzbefriedigung, jedoch keine ebenbürtigen Gegner von "Harry Potter" sein könnten.
Gibt es das überhaupt? Kann eine Buchreihe es mit "Harry Potter" aufnehmen, wenn man "Harry Potter"-Fan ist?!



   










Dienstag, 21. Januar 2014

Und schon wieder preisreduzierte Neuzugänge!

Ich kann's nicht lassen. Die Grabbeltische sind einfach zu verlockend. Man weiß ja nie, was sich unter den Bergen von Büchern verbirgt. Es könnte doch was dabei sein, was einen interessiert?
Und tatsächlich. Zwei Bücher habe ich gefunden.



Dara Horn mit "Vor allen Nächten" und Rajaa Alsanea mit "Die Girls von Riad".

"Vor allen Nächten" ist ein historischer Roman und spielt in den USA zur Zeit des Bürgerkriegs.
Der Klappentext sagt folgendes: "New York, 1861. Als Jacob Rappaport, jüdischer Einwandererssohn aus den Nordstaaten, sich meldet, um in den amerikanischen Bürgerkrieg zu ziehen, ahnt er noch nicht, dass er schon bald zwischen alle Fronten geraten wird: den Kampf gegen die Sklaverei, ein Mordkomplott gegen Präsident Lincoln, und vier bildhübsche Schwestern aus den Südstaaten, deren Charme er hoffnungslos verfällt..."

Beim Lesen des Klappentextes fühlte ich mich leicht an "Betty und ihre Schwestern" erinnert. Die USA im 19. Jahrhundert, der Bürgerkrieg und vier Schwestern ließen mich unwillkürlich an die Geschichte von Louisa May Alcott denken. "Betty und ihre Schwestern" mag ich übrigens sehr gerne und erinnert mich sehr an meine Kindheit. 



"Die Girls von Riad" hat ein schrecklich pinkes Kitsch-Cover und sieht nach etwas aus, was es nicht ist. Dieses Buch habe ich kürzlich bei Amazon auf meine Wunschliste gesetzt. Und nun habe ich es hier zufällig auf dem Grabbeltisch gefunden und sofort mitgenommen.
Der Klappentext: "Kamra und ihre Freundinnen sind jung, hip und abenteuerlustig. Sie wollen das Leben genießen und sich verlieben. Doch was im Rest der Welt zum Erwachsenwerden einfach dazugehört, ist in ihrer Heimat in Saudi-Arabien ein Tabu. Es wird zur unüberwindlichen Hürde in einer Kultur, in der man zwar 'Sex and the City' im Fernsehen empfangen, als Frau aber nicht allein mit einem Mann in einem Zimmer sein darf..."

Angeblich soll dieser Roman auf wahren Begebenheiten basieren und ist für mich insofern interessant, da es Einblick in eine fremde, religiös geprägte und fast totalitäre Welt gebietet und vielleicht mit dem ein oder anderen Vorurteil, das noch im Kopf sitzt, aufräumen kann.
Schon öfter habe ich es erlebt, dass ich mir das Leben in einem Land anders vorgestellt habe, weil die Medien es so und so vermitteln, als es wirklich ist. Und laut Aufkleber war es auch schon mal in der Spiegel-Bestseller-Liste.

Mittwoch, 15. Januar 2014

[Rezension] Patrick Süskind - Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders


"Das Parfum" von Patrick Süskind gehört mittlerweile wohl zu den bekanntesten, deutschen Werken und wohl auch zu den beliebtesten. Man braucht nur mal im sozialen Netzwerk seines Vertrauens die Lieblingsbücher seiner Freunde durchsehen, so findet man bei jedem zweiten, ja sogar bei denen, die sonst nie lesen, das Buch "Das Parfum". Das ist irgendwie ein Phänomen. 
Als ich vor kurzem in der Stadtbücherei war, konnte ich das Buch in einer Ecke ausrangierter Bücher für wenig Geld mitnehmen und dachte mir: "Guckste jetzt mal, warum um dieses Buch ein solcher Wirbel gemacht wurde".
Klar ist natürlich, dass die Verfilmung nicht ganz unschuldig daran ist, dass das Buch vor ein paar Jahren wieder exzessiv gekauft und gelesen wurde. Denn meistens steigen erneut die Verkaufszahlen eines Buchws, auf dem ein Film basiert. (Aktuelles Beispiel: "Noah Gordon - Der Medicus". War auch schon in den 80ern ein Bestseller und nun durch den Film schon wieder.)
Wie dem auch sei. Beginnen wir mit einer kurzen Zusammenfassung des Inhalts.


Jean-Baptiste Grenouille wird 1738 auf einem Fischmarkt und direkt neben einem Friedhof in Paris zwischen Dreck und Gestank unter einem Schlachttisch zur Welt gebracht. Seine Mutter interessiert sich nicht für ihr Neugeborenes und will es samt Fischresten wegspülen. Durch sein Geschrei macht der kleine Jean-Baptiste auf sich aufmerksam. Er wird von Passanten gerettet und seine Mutter wegen Kindesmord angeklagt und hingerichtet.

Als Säugling wird er von Amme zu Amme herumgereicht, doch diese bemerken schnell dass er keinen eigenen Körpergeruch hat. Sie vermissen den angenehmen Geruch eines Babys und finden ihn unheimlich. 

Jean-Baptiste oder auch "Grenouille" kommt zu Madame Gaillard, die Waisenkinder aufzieht und wo er auch keine Liebe erfährt. Von den anderen Kindern wird er gemieden und sie versuchen, ihn zu ersticken.

Die Zähigkeit, die Grenouille schon auf dem Fischmarkt nach seiner Geburt bewiesen hatte, hilft ihm nun auch das harte Leben und Krankheiten bei einem Gerber zu bestehen, an den er verkauft wurde und für den er als Achtjähriger zu arbeiten beginnt. 

Schon immer spielen Gerüche und das Riechen eine besondere Rolle. Grenouille hat eine sehr gute und sensible Nase, weshalb er einst, bei einem Spaziergang durch Paris, so betört von einem Geruch ist, dass er seine Fährte aufnehmen und ihm folgen muss. Er gelangt bei einem jungen Mädchen an, die diesen Duft verströmt. Er will diesen Geruch in sich aufsaugen, für immer behalten und tötet das Mädchen. Doch schnell merkt er, dass somit auch der Geruch verfliegt.
Grenouille arbeitet auf das Ziel hin, Gerüche konservieren zu können.

Durch eine Lieferung, die er bei einem Parfümeur abgeben muss, gelangt er in die Werkstatt dessen und kann sein Können, trotz mangelnder Fachkenntnisse, beweisen.
Nach anfänglichen Zweifeln kauft der Parfümeur Baldini den jungen Lehrling ein und verspricht sich davon, sein Geschäft wieder zum Laufen zu bringen, nun da er einen so talentierten Lehrling hat. Grenouille erlernt die Grundtechniken, Düfte zu extrahieren und zu konservieren und entwickelt neue Parfums, die Baldini in ganz Paris  bekannt und beliebt machen.

Irgendwann hat Grenouille alles erlernt, was er hier erlernen konnte und zieht weiter nach Grasse, um dort weitere Techniken zu erlernen, Düfte von festen Stoffen festzuhalten.
Auf seiner Reise nach Grasse ekelt er sich stark vor dem Menschengeruch. So sehr, dass er nicht mehr die Wege benutzt, sondern in der Natur herumwandert, wo keine Menschenseele sich befindet.
Er verkriecht sich sieben Jahre lang in einem Erdloch und ernährt sich von Moos und Echsen.
Obwohl er wie ein Tier dort in seiner Höhle lebt, träumt er davon, Macht über die Menschen zu haben.
Ungepflegt, verroht und tierischer, als er es je zuvor war, begibt sich Grenouille irgendwann wieder in die Welt der Menschen und wird von einem Marquis für gesundheitliche Forschungszwecke aufgenommen. Grenouille nimmt wieder Gestalt hat, was der Marquis auf seine Kappe schreibt.

Währenddessen hat Grenouille begonnen, einen menschenähnlichen Duft aus allerlei ekelhafter Dinge herzustellen und diesen aufgelegt. Er gehört nun dazu, ist einer von ihnen, er ist nicht mehr unsichtbar, wie als er noch keinen Duft besaß.

In Grasse, in der Werkstatt der Witwe Madame Arnulfi und ihres Gesellen, erlernt er neue Techniken zur Duftgewinnung.
Bei einem Spaziergang nimmt er erneut den Duft eines jungen Mädchens wahr. Er ist betört von diesem Duft und will ihn besitzen - doch erst wenn sie eine junge Frau ist.
Der Duft des Mädchens Laure ist die wichtigste Zutat für sein perfektes Parfum, dass er nun herstellen will.

In der Stadt Grasse häufen sich Morde an jungen Mädchen und Frauen. Sie werden nackt und kahl geschoren vorgefunden. Die Stadt ist ängstlich und ratlos. Jean-Baptiste, der Mörder dieser Frauen, hat ihre Düfte konserviert und sie zu Zutaten seines perfekten Parfums gemacht.
Laures Vater hat Angst um seine Tochter und verlässt mit ihr die Stadt.
Grenouilles nimmt mithilfe seiner guten Nase die Fährte auf und bringt das Mädchen im Schlaf in einem Gasthof um.
Er konserviert ihren Geruch und verschwindet wieder.

Grenouille wird letztlich geschnappt, gefoltert und zum Tode verurteilt.
Am Tage der Hinrichtung steigt Grenouille aus der Kutsche auf den Platz, wo sich schon alle versammelt haben, um die Hinrichtung mit anzusehen. Er trägt sein perfektes Parfum, das eine besondere Wirkung auf die Menschen ausübt...

So, da ich hier mal nicht spoilern wollte, habe ich das Ende einfach weggelassen. 
Meine Meinung zu dem Buch?
Das Buch überzeugt natürlich durch seine Sprache. Die Geschichte ist in einer relativ gehobenen Sprache verfasst und Süskind versteht es, einem Umgebungen und Gerüche glaubhaft zu machen. Auch hat die Sprache von ihm stets einen Unterton, den ich nicht beschreiben kann. Es ist nicht ironisch, auch nicht sarkastisch. Vielleicht irgendwas zwischen Zynismus und schwarzem Humor?
Da sich die ganze Zeit die Gerüche und das Riechen durch die Geschichte ziehen und mit ihnen alles verbunden ist, bekommt man als Leser langsam das Gefühl, dass der olfaktorische Sinn eventuell wirklich der wichtigste und ausgeprägteste ist.
Mit ihnen verbindet vor allem Grenouille auch immer Liebe und Hass. Es scheint, als ist er verliebt, wenn er einen schönen Geruch wahrnimmt. Und mit der Abneigung zu bestimmten Gerüchen von Menschen entwickelt sich auch sein Menschenhass.

An vielen Stellen wird Grenouille wie ein Tier und gleichzeitig als Genie beschrieben. Er verkörpert ein niedriges tierisches Wesen und eine hohe Intelligenz in einem.

Grenouille verachtet die Menschen, sehnt sich aber auch danach, von ihnen geliebt und akzeptiert zu werden. Als er merkt, auf welche Art und Weise er akzeptiert wird (dadurch, dass er einer von ihnen wird, sich ihnen anpasst), verachtet er sie nur umso mehr:

Grenouille lief hin und mischte sich unter die Menge. Er drängte, bohrte sich in sie hinein, dorthin wollte er, wo die Menschen am dichtesten standen, hautnah sollten sie um ihn sein, direkt unter die Nase wollte er ihnen seinen eigenen Duft reiben. Und er spreizte die Arme mitten in der drangvollen Enge und spreizte die Beine und riß sich den Kragen auf, damit der Duft ungehindert von seinem Körper abströmen könne... und seine Freude war grenzenlos, als er merkte, daß die andren nichts merkten, rein gar nichts, daß all diese Männer und Frauen und Kinder, die ringsum an ihn gepreßt standen, sich so leicht betrügen ließen und seinen aus Katzenscheiße, Käse und Essig zusammengepantschten Gestank als den Geruch von ihresgleichen inhalierten und ihn, Grenouille, die Kuckucksbrut in ihrer Mitte, als einen Menschen unter Menschen akzeptierten.

So stand Grenouille wohl eine Viertelstunde im Schoß der Menge, ein fremdes Kind gegen die scheinheilige Brust gedrückt. Und während die Hochzeitsgesellschaft vorbeizog, begleitet vom dröhnenden Glockengeläut und vom Jubel der Menschen, über die ein Regen von Münzen herabprasselte, brach in Grenouille ein anderer Jubel los, ein schwarzer Jubel, ein böses Triumphgefühl, das ihn zittern machte und berauschte wie ein Anfall von Geilheit, und er hatte Mühe, es nicht wie Gift und Galle über all diese Menschen herspritzen zu lassen und ihnen jubelnd ins Gesicht zu schreien: dass er keine Angst vor ihnen habe; ja kaum noch sie hasse; sondern dass er sie mit ganzer Inbrunst verachte, weil sie stinkend dumm waren; weil sie sich von ihm belügen und betrügen ließen; weil sie nichts waren, und er war alles! Und wie zum Hohn presste er das Kind enger an sich, machte sich Luft und schrie mit den andern im Chor: "Hoch die Braut! Es lebe die Braut! Es lebe das herrliche Paar!" 
  
Die Ideen in der Geschichte sind ziemlich interessant. Das Wissen Süskinds um Gerüche, und Parfums sehr fundiert, weshalb er es schafft, einen in eine andere, meistens weniger schöne Welt zu entführen.
Man erkennt einige Anspielungen (z.B. Schöpfungsgeschichte) wieder, was ich sehr interessant finde.
Außerdem ließe sich dieses Buch, wie bei den obigen Stelle, wunderbar interpretieren. Wenn ich über dieses Buch eine Deutsch-Klausur schreiben müsste, so würde ich mir die Finger wund schreiben. ;)

Trotzdem verstehe ich den Hype nicht. Denn an einigen Stellen ist die Geschichte langweilig oder langatmig geschrieben, die Beschreibung zur Herrstellung der Düfte lässt einen gewöhnlichen Wenigleser doch eher ungeduldig werden. Teilweise waren auch mir die Beschreibungen zu minutiös.
Auch ist die Geschichte nicht wirklich atemberaubend und es gibt keine Figur, mit der man mitfiebert und mit der man sich identifiziert. Grenouille ist zwar der Protagonist der Geschichte, wird aber wahrscheinlich von den meisten Lesern als abscheulich empfunden. Obwohl er in seiner Kindheit leiden musste, entsteht kein richtiges Mitgefühl für ihn.

Fazit: Unterhaltsam, aber nicht kurzweilig. Bildhafte ausdrucksstarke Sprache, die einen in eine andere Welt entführt. 3 Sterne!








Preisreduzierte Mängelexemplare!


Neues Futter für meinen SuB! Bei Galeria Kaufhof steht derzeit ein Grabbeltisch mit vielen preisreduzierten Mängelexemplaren. Da liegen Romane, Sachbücher, esoterisches, Ratgeber, lustiges, Kitsch und sehr viel, was ich mir jetzt nicht unbedingt kaufen würde. 
Trotzdem kann ich es jedes Mal nicht lassen, dort ein bisschen herumzuwühlen, in der Hoffnung, etwas nach meinem Geschmack zu finden.
Zwei Mal war ich nun dort und 3 Bücher habe ich insgesamt mitgenommen:


Wladimir Kaminer - Russendisko
Serap Cileli - Wir sind eure Töchter, nicht eure Ehre
Robert Ide - Geteilte Träume - Meine Eltern, die Wende und ich

Des öfteren lese ich gerne wahre Schicksale, Erfahrungen oder biografische Romane. Neben fiktiven Geschichten bilden sie für mich einen guten Ausgleich. Diese Geschichten haben ja teilweise einen Bildungswert, da sie einen in eine Welt oder Zeit mitnehmen, die man so nicht betreten würde oder kann oder könnte. 

Zum Thema Zwangsheirat und Gewalt in der Ehe hatte ich schon einmal ein Buch gelesen und ich denke, das Thema wird auch in mehreren Büchern thematisiert worden sein. An sich sind dies keine schönen Geschichten. Die meisten Frauenschicksale eigentlich nicht. Aber man kann die Frauen einfach bewundern, die es trotz vieler Probleme in ihrem Leben geschafft haben, da herauszukommen oder stark zu bleiben.

Über die Wende habe ich bisher noch nichts gelesen. Keinen Roman und keine Erfahrungen jedenfalls. Ich stelle mir das Buch von Robert Ide ganz unterhaltsam vor. Und Geschichten über junge Menschen, egal, wann, egal, wo, lese ich eigentlich immer gerne.

Von Kaminer hatte ich mal einen Band voller Kurzgeschichten, den ich recht schnell durchlas. Kaminer schreibt sehr unterhaltsam und kurzweilig und ich mag seinen Unterton, den man irgendwie heraus liest und seinen Humor. Ob das die russische Mentalität ist? Sehr sympathisch jedenfalls!

Vor allem sprachlich wird das jetzt eine gute Abwechslung sein. Denn nach den letzten Büchern, die sprachlich ziemlich anspruchsvoll waren, ist es nun mal wieder ganz angenehm, leichte Kost zu lesen. 

Sonntag, 5. Januar 2014

Mein SuB




Mein Stapel ungelesener Bücher hat sich über Jahre angesammelt und wird irgendwie nicht kleiner. :)
Da immer neue Bücher dazu kommen und ich dann doch wieder Lust auf dieses oder jenes Buch oder Genre habe, warten einige Bücher schon etwas länger darauf, gelesen zu werden. Einige Bücher sind jedoch relativ neu in meiner Sammlung. 
48 sind es. 

Albert Camus – Der Fremde
Albert Camus – Die Pest
André Gide – Die Falschmünzer
Anna Seghers – Das siebte Kreuz
Anne Frank – Tagebuch der Anne Frank
Antoine de Saint-Exupéry – Wind, Sand und Sterne
Banana Yoshimoto – N.P.
Bertolt Brecht – Mutter Courage und ihre Kinder
Carlos Ruiz Zafon – Der Schatten des Windes
Elizabeth von Arnim – Verzauberter April
Friedrich Dürrenmatt – Der Verdacht
Friedrich Dürrenmatt – Die Physiker
Friedrich Nietzsche – Also sprach Zarathustra
George Orwell – Erledigt in Paris und London
George Orwell – Farm der Tiere
Günther Grass – Hundejahre
Hans Fallada – Kleiner Mann was nun?
Haruki Murakami – Nach dem Beben
Heinrich Böll – Die verlorene Ehre der Katharina Blum
Heinrich Mann – Der Untertan
Heinrich Mann – Novellen
Helene Hegemann – Axolotl Roadkill
Hermann Hesse – Gertrud
Hermann Hesse – Glasperlenspiel
Hermann Hesse – Kinderseele
Hermann Hesse – Roßhalde
Jack Kerouac – Tristessa
Jean Paul Sartre – Der Ekel
Joseph Roth – Die Geschichte der 1002. Nacht
Joseph von Eichendorff – Ahnung und Gegenwart
Karl Philipp Moritz – Anton Reiser
Klaus Mann – Mephisto
Kurt Tucholsky – Schloß Gripsholm
Marion Zimmer Bradley – Die Nebel von Avalon
Martin Walser – Mein Jenseits
Max Frisch – Homo Faber
Musil – Die Verwirrungen des Zöglings Törleß
Orhan Pamuk – Die weiße Festung
Pitigrilli – Kokain
Ray Bradbury – Fahrenheit 451
Simone de Beauvoir – Alle Menschen sind sterblich
Stefan Zweig – Verwirrung der Gefühle
T.C. Boyle – Wassermusik
Thomas Mann – Tonio Kröger/Mario und der Zauberer
Ulrich Plenzdorf – Die neuen Leiden des jungen W.
Uschi Obermaier – High Times
Walter Moers – Die 13 ½ Leben des Käptn Blaubär
William S. Burroughs – Naked Lunch

Samstag, 4. Januar 2014

[Rezension] Sebastian Schwarz - Martha My Dear - eine moderne Ballade -



Ballade oder Erzählung? Gedicht oder Prosatext? Märchen oder sogar ein 107-Seiten langer Pop-Song? 
Manchmal scheint die Einordnung eines Textes gar nicht so einfach zu sein. Manchmal aber auch gar nicht nötig, wenn man ihn vor allem als eines betrachtet: Ein Kunstwerk.

Im Jahre 2005 erschien das dünne Heftchen mit einer verwobenen, poetischen Geschichte, des damals 21-Jährigen Sebastian Schwarz.

Im Prolog erfahren wir, dass ein Ich-Erzähler, ein "Geschichten-Erzähler", wie wir später heraus finden, eine Straße entlang geht und plötzlich auf eine bebrillte, anzugtragende Leiche stößt. Der Ich-Erzähler ist verwirrt, denn plötzlich hört er eine Stimme, die er nicht als seine eigene identifiziert. Die Leiche spricht mit ihm. Der Tote stellt sich als Hermann Harriot vor, einen Schriftsteller, der "die Macht der Idee unterschätzt hat" und gar nicht weiß, warum er da liegt, wie ihm geschehen ist.
Hermann Harriot erzählt die Geschichte von Martha, seine wohl einzige, selbst erfahrene Geschichte. Denn einst, als er dreizehn Jahre alt war, schickte ihn seine Mutter nach draußen zum Spielen, da er schon die meiste Zeit in seinem Zimmer verbrachte. Am See traf er auf "die Martha der Welt", in die er sich sofort verliebte, die ihn aber nur an der Nase herum führte.
Dieser erlebte Schmerz und die Scham trieben ihn wieder zurück in sein Zimmer, zu seiner Schreibmaschine, an der er "die Martha des Kopfes" entstehen ließ, ein tanzendes wunderschönes, Männer verschlingendes Wesen, im "Haus der Lichtfliegen". Hermann erzählt, dass er sich aufmachte, um diesen Ort zu finden, um die Geschichte beenden zu können. Doch dann war sein Plan schnell zu Ende und er kann sich nur noch daran erinnern, dass er pinkeln musste. Dem Schriftsteller Hermann Harriot und dem Geschichten-Erzähler fällt kein passendes Ende ein.

Szenenwechsel: Vier Kiffer-Freunde und allesamt große Beatles-Fans sitzen zu Hause auf ihrer grünen Couch und leben ihr alltägliches Leben. Sie ähneln vom Wesen den echten Beatles, weshalb sie deren Namen übernehmen und als Gruppe "die Beatles" genannt werden. 
Sie beschließen, etwas anders zu machen als sonst: Sie wollen ihr dunkles Kiffer-Zimmer und ihre platt gesessene gemütliche Couch verlassen und mal wieder etwas erleben. Nach einer Diskussion der Freunde machen sie sich mit einem gestohlenen Auto auf und überfahren aus Versehen einen pinkelnden Mann - Hermann Harriot.
Die Beatles laden die Leiche in das Auto und suchen einen Ort, an dem sie sie verstecken können und finden auch alsbald ein altes Haus vor. Sie ahnen noch nicht, dass es das "Haus der Lichtfliegen" ist. 
Es folgt ein Endkampf zwischen Martha, Beatles, Zombies, Geschichtenerzählerei und der Liebe, dessen Ergebnis dem Geschichten-Erzähler und dem Schriftsteller ein Ende bietet...

Diese Erzählung ist auf diesen relativ wenigen Seiten recht schnell erzählt, aber kann sich als wortgewaltiges Textstück auf hohem Niveau sehen lassen. Trotz der Verworrenheit und der manchmal seltsamen Einfälle oder Wendungen, kann man sich sehr gut einfühlen in das Buch. Ich habe oftmals sehr staunen müssen über die Stilelemente, die wunderbar eingeflochten sind in diese Geschichte und auch die Verweise auf Beatles-Song, so zum Beispiel als passende Kapitel-Überschrift, sind sehr passend.
Negativ anzumerken wäre, dass das Lektorat, sofern eines vorhanden war, es versäumt hat, einige Fehler in dem Text zu korrigieren. Denn das stört manchmal den Lesefluss und lässt einen wundern, da diese in der schönen, ausdrucksstarken Sprache umso mehr auffallen.

Fazit: Lieber Sebastian, mehr davon! 4 Sterne!